Jeder Dritte würde für Content zahlen, wenn …

Interessante Zahlen erreichen uns heute aus dem Hause Bitkom. Demnach ist ein sattes Drittel aller Internetnutzer bereit, für redaktionelle Inhalte im Web zu zahlen. Die Zahl der Nutzer, die tatsächlich einen Obolus für den Konsum von digitalen Inhalten im Netz entrichten, fällt geringer aus, liegt aber immerhin bei einem Viertel.

Gemäß der Studie des Marktforschungsinstituts Aris im Auftrag des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) wurden 766 Nutzer ab 14 Jahren interviewt. Demnach geben 17 Prozent der Internetnutzer Geld für einzelne journalistische Beiträge aus. Weitere 17 Prozent zahlen eine monatliche Pauschale in Form eines Abonnements. Nach eigenen Angaben lassen sich dies die Nutzer durchschnittlich 13,60 Euro pro Monat kosten.

Mit einem Anteil von 31 Prozent werden kostenpflichtige redaktionelle Angebote am stärksten von den 30- bis 49-Jährigen genutzt. Bei den Silver-Surfern – vom Bitkom respektvoll als „Generation 65-Plus“ benannt –  sind es dagegen nur 13 Prozent.

Interessant sind diese Zahlen deshalb, weil Sie entgegen der landläufigen Meinungen, im deutschsprachigen Internet ließen sich keine bezahlpflichtigen redaktionellen Angebote etablieren, ein aufmunterndes, ja hoffnungsvolles Bild zeichnen.

Inhalte müssen wertig und leicht zu konsumieren sein

“Die so genannte Kostenloskultur im Internet ist weniger stark ausgeprägt als immer wieder angenommen wird”, frohlockt Bitkom-Vizepräsident Achim Berg folgerichtig. “Viele Verbraucher sind bereit, auch für interessante redaktionelle Inhalte im Web zu bezahlen, wenn sie einen angemessenen Preis haben und sich bequem abrechnen lassen.“, so Berg weiter und bringt die Probleme mit dem Paid Content damit ziemlich genau auf den Punkt: bezahlpflichtige Inhalte müssen wertig und leicht zu konsumieren sein, um Akzeptanz beim Nutzer zu finden. So trivial diese Aussage klingen mag, so schwer tun sich Publisher hierzulande, dieser Anforderung gerecht zu werden.

Ohne Frage, die Bereitstellung hochwertiger journalistischer Inhalte sollte für Verlage gelerntes Handwerk sein und demnach leicht zu bewerkstelligen. Doch angesichts hunderter kostenloser Blogs und werbefinanzierter Portale bedarf es mehr als handwerklich gut gemachter Inhalte, um Nutzer von deren Zahlungswürdigkeit zu überzeugen. Diese wird – und das ist eine Lektion, die viele Verlage noch lernen müssen – allein durch die Wertigkeit eines Inhaltes aus der Perspektive des Nutzers bestimmt. Und nicht etwa aus der Perspektive des Produzenten.

Nur wenn Content in den Augen des Nutzers einzigartig und wertig ist, wird dieser willens sein, für Inhalte zu zahlen. „Gut recherchiert“, „hintergründig“ und „aktuell“ sind keine Prädikate (mehr), die das subjektive Gefühl des Nutzers für die Wertigkeit von Inhalten im Jahr 2014 beistimmen. Vielmehr spielen Aspekte wie die Verständlichkeit, Exklusivität und die grafische und multimediale Aufbereitung von Inhalten eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für oder gegen den Sprung über die Bezahlhürde.

Grausam komplizierte Bezahlmethoden

Apropos Bezahlhürde. Nicht selten enden Versuche, Content kostenpflichtig zu erwerben, an grausam komplizierten Zahlungsmethoden oder Preismodellen. Von „einfachem“ Konsum sind Paid-Content-Modelle der Gegenwert in der Regel weit entfernt.

Egal ob Freemium, Metered Model oder Premium-Abonnement: in der Regel setzen Paid-Content-Modelle eine mehr oder weniger langatmige Registrierung des Nutzers voraus, in deren Prozess in einem Dschungel möglicher Leistungspakte und unterschiedlichster Preispunkte das Produkt der Wahl gesucht und gefunden werden muss. Zur Hürde der Bezahlpflicht gesellt sich so die Last der zeitraubenden und bürokratischen Registrierung und das stete Gefühl, sich nicht für das geeignetste Produkt entschieden zu haben.

Dabei mangelt es nicht an Best-practice-Beispielen im Internet für gelungene, weil einfache und intuitive Bezahlprozesse. Gute Blaupausen für gelungene Bezahlprozesse liefern hier Test und Amazon aber auch das jüngst gestartete Technologie-Blog The Information.

Übrigens: auch diese Erkenntnisse werden von der aktuellen BITKOM-Studie gestützt. 61 Prozent der befragten Nichtzahler wollen demnach auch künftig kein Geld für redaktionellen Content ausgeben. 32 Prozent der Zahlungsunwilligen begründet dies damit, dass ihnen das Bezahlen im Internet zu kompliziert sei. 44 Prozent meinen, dass die mindere Qualität der Angebote keine Bezahlung rechtfertigt. 34 Prozent sind einzelne Artikel oder Abos zu teuer.

Bitkom Studie "Zahlungsbereitschaft im Internet". Quelle: BITKOM

Bitkom Studie „Zahlungsbereitschaft im Internet“. Quelle: BITKOM

 

Über den Autor

Stefan Huegel
  • Thomas Jager

    das Problem bei den Bitkom-Zahlen. Die sind völliger Schrott. Wenn 1/3 der Internetnutzer so viel Geld für digitalen Journalismus bezahlen würde, dann würde in Deutschland damit mehr Umsatz generiert als mit dem Verkauf gedruckter Zeitschriften, wie pv digest gezeigt hat.

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